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Bügelsäge

Auf den folgenden Seiten möchten wir Ihnen eingige praktische Pflegetipps für Ihren Obstgarten oder für die Streuobstwiese geben.

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Arbeitskalender Obstbau
August


Nach ersten Schätzungen wird in Deutschland 2017 im Streuobst mit einer Ernte von 250 000 Tonnen Mostäpfel gerechnet. Dies ist ungefähr die Hälfte der durchschnittlichen Erntemenge und die niedrigste Ernteerwartung seit 1995. Schuld an dieser kleinen Ernte sind die Blütenfröste zwischen dem 26. und dem 29. April. Süddeutschland war besonders stark vom Blütenfrost betroffen. Die Ermittlung der Fruchtbehangdichten zeigen, dass in der Mitte und im Osten Deutschlands deutlich mehr Früchte auf den Bäumen hängen.

Behangdichte 2017 Erntemengen Streuobst
Abb1: Fruchtbehangdichten im Streuobst 2017 in verschiedenen Regionen Abb 2: Streuobsternte der letzten 10 Jahre


Sprühflecken an Kirschen und Marssonina Blattflecken an Apfel

Die eher trockene Witterung bis Mitte Juli hat die Ausbreitung von Blattkrankheiten gehemmt. Seit dem Einsetzen der Regenfälle in der 29. KW nehmen die Pilzkrankheiten an den Obstbäumen wieder deutlich zu. Viele Kirschen bekommen jetzt gelbe Blätter, die vorzeitig abfallen. Ursache ist die sog. „Sprühfleckenkrankheit“, die besonders Sauerkirschen und einige Süßkirschensorten befällt.

Sprühflecken Marssonina Blattflecken
Abb 3: Sprühflecken an Kirschen Abb 4: Marssonina-Blattflecken an Apfel


Im Kernobst bereiten „Marssonina-Blattflecken“ große Probleme. Auch hier färben sich die Blätter vorzeitig gelb und fallen ab. Auf den Blättern sind dunkle Blattflecken zu erkennen. Marssonina-Blattflecken sind in Deutschland erst seit wenigen Jahren als Schaderreger bekannt; ihre Bedeutung nimmt aber zu. Anfällig sind einige Streuobstsorten und v.a. Sorten, die häufig in den Hausgärten angebaut werden. Die Sorten „Topaz“ und „Rubinola“ sind überdurchschnittlich häufig durch Marssonina geschädigt. Diese Sorten wurden wegen ihres regelmäßigen Ertrages und v.a. wegen ihrer Schorfresistenz in der Vergangenheit häufig für den Hausgarten empfohlen. Marssonina liebt feucht-warmes Wetter wenn die Wettervorhersagen stimmen, ist dieses Jahr wieder mit einem starken Befall zu rechnen. Stoppspritzungen mit einem systemischen Pilzmittel (z.B. Duaxo) können den Befall verzögern, aber meist nicht verhindern.

Apfelwickler

Der Flug der zweiten Faltergeneration des Apfelwicklers hat Ende Juli begonnen. Im Hausgarten und im Streuobstbau geht von dieser Generation der Hauptschaden aus. Die weiblichen Falter fliegen bis Ende August die Apfelfrüchte an, um dort ihre Eier abzulegen. Die Raupen, die aus diesen Eiern schlüpfen bohren sich sofort in die Früchte ein. Wegen der Ausfälle durch den diesjährigen Blütenfrost gibt es relativ wenig Bäume, die noch Früchte tragen. Diese sind aber besonders gefährdet, weil die Apfelwickler gezielt diese Bäume anfliegen. Der Befallsdruck an diesen Bäumen war schon während der ersten Wicklergeneration sehr hoch; im Laufe des Augustes dürfte sich das Problem nochmals verschärfen. Als direkte Bekämpfungsmaßnahme ist im Hausgarten nur die Anwendung von Granulosevieren (Madex Max) möglich. Das biologische Pflanzenschutzmittel solle im Abstand von 8 bis 10 Tagen mindestens zweimal bei trocken-warmer Witterung angewendet werden. Das Insektizid Bayer Garten Raupenfrei ist nicht mehr im Handel und die Aufbrauchfrist ist Ende Juni ausgelaufen.

Obstmade
Abb 5: Einbohrung des Apfelwicklers

Kirschessigfliege

Auch die Kirschessigfliege ist in ihrer Entwicklung auf Grund der trockenen Juniwitterung benachteiligt gewesen. Kirschen und Himbeeren konnten in aller Regel befallsfrei geerntet werden. Mit der Änderung der Wetterlage ist ab sofort mit einer Zunahme der Essigfliegen zu rechnen. Die rechtzeitige Einnetzung der jetzt noch reifenden Obstkulturen ist die einzige Möglichkeit, den Befall einzugrenzen. Je engmaschiger die Netze (am Besten 0,8 mm) und je dichter das Netz, desto erfolgreicher ist diese vorbeugende Bekämpfung. Wurden die Kulturen zu spät eingenetzt (nachdem die Essigfliegen schon im Bestand waren), kann der Befall nicht mehr verhindert werden.

Einnetzung Brombeere
Abb 5: Gegen Kirschessigfliege eingenetzte Brombeere

Sommerschnitt

Ein guter Fruchtansatz kostet den Baum sehr viel Kraft in Form von Nähr- und Wachstumsstoffen (Pflanzenhormonen). Fehlt dieser Fruchtansatz, ist ein übermäßiges Holz- bzw. Triebwachstum die Folge. Bei kleinen Baumformen im Garten lässt sich dies am Besten beobachten: zahlreiche einjährige Holztriebe (Wasserschosser) werden v.a. im Gipfelbereich der Kronen gebildet, während die darunterliegenden Kronenpartien verschatten und benachteiligt werden. Sind noch einige wenige Früchte am Baum, verschwinden diese unter einem dichten Blätterdach. Durch einen leichten Sommerschnitt im Juni kann dieser Fehlentwicklung etwas entgegengewirkt werden. Beim Sommerschnitt werden zwei Zeiträume unterschieden:

1. Der Frühsommerschnitt im Juni: Er ist v.a. dann sinnvoll, wenn die Bäume übermäßig stark wachsen (wie in diesem Jahr). Beim Frühsommerschnitt wird nur ein Teil der Neutriebe entfernt, die nicht für den Kronenaufbau bzw. für die Fruchtholzerneuerung benötigt werden. Man sollte nicht alle Triebe wegschneiden, sondern nur die kräftigsten und stärksten Wasserschosser. Schwache Triebe können zunächst verbleiben. Der Nachteil des Frühsommerschnittes liegt darin, dass die verbleibenden Triebe danach noch stärker wachsen und angeschnittene Triebe nochmals unerwünscht durchtreiben können. Ein zweites, starkes Austreiben kann vermindert werden, wenn die Triebe nicht (mit der Schere) geschnitten, sondern von Hand gerissen werden. Man spricht deshalb auch von Juniriss. In Jahren mit Fruchtansatz sollte bedacht werden, dass Früchte durch einen Sommerschnitt im Juni stärker belichtet werden und rascher Sonnenbrand bekommen. Außerdem sind sie gefährdeter, wenn es zu Hagelereignissen kommen sollte.

2. Der Spätsommerschnitt ab August: Die Triebe haben meist Mitte August mit dem Triebwachstum abgeschlossen und trieben nach einem Sommerschnitt nicht mehr erneut durch. Die Gefahr für Sonnenbrand- und Hagelschäden ist in der zweiten Augusthälfte ebenfalls geringer. Bei regelmäßigem Ertragsverlauf und gleichmäßig tragenden Bäumen ist nur der Spätsommerschnitt sinnvoll und auf den Frühsommerschnitt kann verzichtet werden.

Kronenüberbauung Juniriss
Abb 1: Bei Spindelbäumen sollten die überzähligen Neutriebe im Gipfelbereich durch den Juniriss reduziert werden. Abb 2: Im grünen Zustand können die Jahrestriebe leicht herausgerissen werden. Die Risswunden verheilen rascher als beim Schnitt mit der Schere.

Stark wachsende Jungtriebe sind sehr anfällig für Mehltau- und Läusebefall. Triebe, die durch diese Schaderreger befallen sind, müssen entfernt werden. Dies gilt natürlich auch für z.B. Stachelbeeren, die durch unter dem amerikanischen Stachelbeermehltau leiden. Ende Juni wird das Laub allmählich härter und entwickelt eine gewisse Altersresistenz gegenüber Mehltau.