Grasschnitt in Streuobstwiesen

Markus Zehnder, Landratsamt Zollernalbkreis


Viele Betreiber von Obstwiesen kennen das Problem: für Landwirte ist die Bewirtschaftung der Wiesen nicht rationell und häufig mit den großen Traktoren unter den Bäumen auch gar nicht durchführbar. Vor allem in Gebieten, in denen viele kleine private Obstwiesen (sogenannte 'Stückle’) liegen, stellt sich die Frage, wie der Grasaufwuchs sinnvoll verwertet werden soll.


Unterbleibt die Nutzung des Grases gänzlich, verbuscht die Obstwiese in Folge der Vermehrung von Schlehe, Brombeere und anderen Gehölzen innerhalb weniger Jahre. Durch die natürliche Sukzession würden sich die Obstwiesen zuerst zu undurchdringlichen Gebüschen, dann zu Wäldern entwickeln, in denen die wenig durchsetzungsfreudigen Obstbäume schon bald unterlegen wären. Die Bewirtschaftung der Wiese ist daher für die Erhaltung der Streuobstwiesen unverzichtbar.

Aus naturschutzfachlicher Sicht ist ein zwei- bis dreimaliges Mähen, am besten mit einem Messerbalken und die Abfuhr des Mähgutes am sinnvollsten. Durch diese traditionelle Bewirtschaftungsform sind die artenreichen Blumenwiesen erst entstanden und diesen Artenreichtum gilt es zu erhalten. Ohne Zufuhr von Nährstoffen kommt es über einen längeren Zeitraum zum Ausmagern der Wiese, jedoch auch zu mangelhafter Nährstoffversorgung der Obstbäume, was sowohl zu Lasten der Vitalität als auch der Widerstandskraft gegenüber äußeren Einflüssen führt. Auch die Verwertung des Heus ist in vielen Regionen problematisch, weil hierfür nur noch eine geringe Nachfrage besteht.

Aus obstbaulicher Sicht spricht vieles für das Belassen des Mähgutes auf der Fläche. Die Nährstoffverluste werden entscheidend verringert und ein Befahren der Streuobstwiesen mit großen Mäh- und Erntegeräten kann unterbleiben. Das Mähgut zieht allerdings Feld- und Wühlmäuse an, die vor allem an Jungbäumen gravierende Schäden anrichten können.

Abb. 1
Bunte Blumenwiese auf extensiv bewirtschafteter Streuobstwiese


Für eine ökologisch vertretbare Form der Streuobstwiesen- Bewirtschaftung gilt es daher, sowohl die Artenvielfalt als auch die Vitalität der Bäume zu erhalten. Hierfür sind verschiedene Bewirtschaftungsformen denkbar. Weitergehende Hilfen zur Pflege und Bewirtschaftung von Streuobstwiesen können dem Leitfaden des LOGL entnommen werden, der bei der Geschäftsstelle erhältlich ist (siehe Literaturliste).


Zwei- bis dreimaliges Mähen ohne Abfuhr des Mähgutes

Die günstigen Mähzeitpunkte liegen in der zweiten Junihälfte sowie Ende August, oder bei starkem Aufwuchs und dreimaliger Mahd ab Ende Mai. Abhängig von der Stärke des Aufwuchses kann bei Einsatz eines Messerbalkens ein dichter Grasfilz entstehen, der die am Boden liegenden Blätter der Wiesenkräuter bedeckt und dadurch im Wuchs nachhaltig beeinträchtigt. Dies kann zu einer Verschiebung der Artenzusammensetzung zugunsten von Gräsern und Storchschnabelarten und damit zu einer Verringerung der Artenvielfalt führen. Besser wäre daher der Einsatz eines Mulchgerätes.

Abb. 2
Mahd mit dem Messerbalken schont die Fauna, ist jedoch sehr zeitaufwändig.

Abb. 3
Dreimalige Mahd einer extensiven Parzelle mit dem Messerbalken. Das Mähgut verbleibt auf der Fläche.


Einsatz eines Mulchgerätes

Dadurch wird das Gras wesentlich besser zerkleinert und dessen Zersetzung beschleunigt. Bei zwei Mulchgängen pro Jahr (der erste Ende Juni, der zweite Ende August) wirkt sich dies nur unwesentlich auf die Artenzusammensetzung aus (MLR, 2000). Die Mulchschicht wird innerhalb von etwa 4 Wochen durchwachsen und weitgehend zersetzt. Um die negativen Auswirkungen auf die in der Krautschicht lebenden Tiere abzumildern, sollten jedoch keine großen zusammenhängenden Flächen an einem Stück gemulcht werden.


Kurzes Antrocknen des Mähgutes mit anschließendem Zusammenrechen unter die Kronentraufe


Die Grasauflage unter der Kronentraufe sollte nur so hoch sein, dass das darunter liegende Gras nicht erstickt. So kann die Fläche zwischen den Bäumen ausmagern, während die Baumwurzeln ausreichend mit Nährstoffen versorgt werden. In lückigen Baumreihen ist diese Methode jedoch nicht ratsam, weil hier die Grasauflage zu mächtig wird.

Bei jüngeren Bäumen kann das Gras auf die Baumscheiben zusammengetragen werden. Hierbei darf der Stamm nicht bedeckt werden und die Mulchschicht sollte vor Wintereintritt entfernt werden, um Feld- und Wühlmäusen keine Behausungen zu bieten. Eine Beeinträchtigung der Wurzelaktivität durch Sickersäfte ist nicht zu erwarten. Der Grasaufwuchs auf der Baumscheibe wird ebenso wie ein schnelles Austrocknen des Bodens verhindert. Dadurch verbessern sich die Wuchsbedingungen für die Baumwurzeln ganz entscheidend.

Abb. 4
Mit dem Schlegelmulcher bearbeitete Fläche. Nach etwa 4 Wochen wird die Mulchschicht wieder durchwachsen

Abb. 5
Kompostierung des Mähgutes auf der Fläche


Kompostieren des Grasschnitts auf dem Grundstück

Auf kleineren Grundstücken ist auch das Kompostieren des Mähgutes auf dem Grundstück auf Mieten möglich. Nach der Pflanzenabfall-Verordnung ist dies im Außenbereich im Rahmen der Nutzung der Grundstücke an Ort und Stelle erlaubt. Die Mieten sollten aber lediglich in begrenztem Umfang, nicht dauerhaft und so angelegt sein, dass sie in der Landschaft nicht auffallen. Geruchsbelästigungen und laufende Sickerwässer müssen dabei vermieden werden.


Vier- bis sechsmaliges Mulchen eines Grasstreifens in Mäherbreite auf beiden Seiten der Bäume

Diese Methode ist vor allem während der Erziehungsphase von Jungbäumen sinnvoll. Der Nährstoffverlust im Wurzelbereich verringert sich und die Bäume sind auch bei hoch stehendem Gras noch zugänglich, um erforderliche Pflegemaßnahmen oder Schädlingskontrollen zu ermöglichen. Das Gras zwischen den Baumreihen wird nach herkömmlicher Methode bewirtschaftet.

Der hohe ökologische Wert von Streuobstwiesen ist neben der großen Arten- und Sortenvielfalt auch darin begründet, dass die Form der Bewirtschaftung oft kleinräumig wechselt. Dies ermöglicht den Tieren, bei Mähgängen von einer zur anderen Fläche zu wechseln, was die negativen Folgen eines Mähens auf die Fauna abmildert. Wenn irgend möglich, sollte die Mahd daher nicht großflächig in einem Arbeitsgang, sondern etappenweise erfolgen, um den Tieren Rückzugschancen zu bieten. Die schlechteste aller Mähvarianten ist das leider noch häufig anzutreffende wöchentliche Mähen mit dem Rasenmäher. Damit entwickelt sich eine ursprünglich farbenfrohe Obstwiese innerhalb kurzer Zeit zu einem rein grünen Obstrasen, in dem bestenfalls noch das Gänseblümchen blüht.

Das Aushagern von artenreichen Wiesen ist selbst in Fachkreisen nicht unumstritten. Neueste Untersuchungen über einen langjährigen Zeitraum haben ergeben, dass in Magerrasen sowohl bei einer behutsamen Düngung mit Mineraldünger (bis 20+20+32 kg/ha) als auch auf gemulchten Flächen die Artenzahl gegenüber einer ungedüngten Fläche deutlich höher ist (Briemle, 2006). Das langjährige Aushagern führt somit nicht nur zu einer mangelhaften Versorgung der Obstbäume, sondern auch zu einem Rückgang der Artenvielfalt in der Wiese.

Abb. 6
Mulchen eines Grasstreifens in den Baumreihen und zweimalige Mahd mit Abfuhr des Mähgutes zwischen den Baumreihen

Abb. 7
Der Rasenmäher verwandelt eine ursprünglich artenreiche Wiese in einen artenarmen "Obstrasen"


Hinsichtlich der landwirtschaftlichen Nutzung der Grünlandflächen zeichnet sich derzeit ein Wandel ab. Durch die Umstellung auf die flächenbezogene Förderung steigt das Interesse der Landwirte an Grünland spürbar an. Diese Entwicklung geht allerdings an den Streuobstwiesen gänzlich vorbei, da die Bewirtschaftung von mit Bäumen bestandenen Wiesen für die Landwirte nach wie vor nicht wirtschaftlich ist. Auch für die Verwertung in Biogasanlagen ist das Heu aus extensiv genutzten Flächen von geringem Interesse. Damit bleibt die Wiesenpflege unter Obstbäumen weiterhin an den Gütlesbesitzern hängen, deren Motivation auch noch durch den verhältnismäßig hohen Grundbeitrag an die Berufsgenossenschaft gebremst wird.
Ein neuer Weg zur Verwertung des Grasschnitts gerade aus extensiv genutzten Flächen wird derzeit wissenschaftlich untersucht: die Verwendung als Brennstoff in Form von Pellets (Briketts aus gepresstem Heu).



Literatur:


Briemle,G. (2006):
Behutsame Düngung erhöht die Artenvielfalt. Naturschutz und Landschaftsplanung 38, (2), S. 37 - 44

LOGL (2002):
Streuobst in der Kulturlandschaft – Leitfaden für die Anlage und Pflege von Streuobstwiesen

Ministerium Ländlicher Raum Baden-Württemberg (2000):
Methoden der Landschaftspflege – eine Bilanz der Bracheversuche in Baden- Württemberg



Text und Fotos: © Markus Zehnder, Landratsamt Zollernalbkreis